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Existenzgründung Ratgeber für den Onlinehandel

Im Onlinehandel sind die Einstiegsbarrieren niedriger als in vielen anderen Branchen. Viele moderne Handels- und Abwicklungslösungen bieten auch Gründern mit weniger Startkapital gute Chancen. Das sind gute Gründe, warum sich im vergangenen Jahr in Deutschland mehr als 150.000 Menschen für eine Existenzgründung im Onlinehandel entschieden haben.

1. Schritte in die Selbständigkeit

Angehende Onlinehändler müssen viele Hürden überspringen, bevor der Schritt in die Selbständigkeit geglückt ist. Die folgenden Punkte zeigen Schritt für Schritt die Vorbereitung auf dem Weg zum eigenen Unternehmen.

2. Anforderungen an Selbständige

In den Medien hört man immer wieder von Selbständigen, die den Schritt zum eigenen Unternehmen ohne oder mit nur sehr wenig beruflicher Erfahrung in diesem Bereich gewagt haben. Neben dem Knowhow sind es aber meines Erachtens eher personenbezogene Fragen, die sich angehende Unternehmer offen und ehrlich selbst stellen sollten. Selbständigkeit erfordert ein hohes Maß an Einsatzbereitschaft und Engagement. Niemand sagt einem Selbständigen, was und wann etwas zu tun ist. Es gibt auch keine Rückmeldung, ob etwas gut oder schlecht getan wurde. Dieser Punkt wird oft unterschätzt. Meines Erachtens brauchen viele Menschen die Anerkennung eines Vorgesetzten zur Motivation für weitere Aufgaben. Gerade die Anfangszeit wird sehr anstrengend und kraftraubend sein. Lange Arbeitszeiten und Wochenendarbeit sind die Regel. Dazu sollten angehende Selbständige auch körperlich in der Lage sein. Unternehmer müssen ständig und vor allem schnell Entscheidungen treffen. Oft (wenn überhaupt) stellt sich erst sehr viel später heraus, ob es eine gute oder schlechte Entscheidung war. Dazwischen kommmen oftmals ungeplante Änderungen (z.B. am Businessplan oder in der gesamten Branche). Mit all diesen Ungereimtheiten müssen Selbständige umgehen können.

Fehlentscheidungen, mangelndes Engagement, drastische Veränderungen an den Märkten oder in der Branche können dazu führen, dass Selbständige ihre Existenz wieder aufgeben müssen. Im Umkehrschluss wartet die Unabhängigkeit und eventuell auch mehr Wohlstand für erfolgreiche Unternehmer. Jeder muss für sich selbst entscheiden, ob die Chancen größer als die Risiken sind und er oder sie den sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser wagen möchte.

3. Eigene Fähigkeiten, Interessen und Defizite

Ein Unternehmer muss auch etwas von seinem Geschäft verstehen. Eine langjährige Berufserfahrung ist durch nichts zu ersetzen. Idealerweise lassen sich berufliche und private Interessen auch miteinander verbinden. Das ist sicher gut für die Motivation und Selbstdisziplin. Neben der Erfahrung und den Interessen ist aber auch kaufmännisches Wissen gefragt. Ein Unternehmen darf nicht nur nach dem Bauchgefühl gesteuert werden. Die finanzwirtschaftlichen Aspekte sollte jeder Selbständige selbst nachvollziehen und steuern können.

4. Optionen und Entscheidungsalternativen

Bei der Entscheidung zum konkreten Geschäftsgegenstand sollte berücksichtigt werden, dass man sich mitunter über Jahre oder Jahrzente hinweg damit beschäftigt. Je mehr der Geschäftsbereich zu den eigenen Interessen passt, desto besser. Die eigenen Interessen sollten daher nach Möglichkeit bei der Geschäftsidee berücksichtigt werden. Idealerweise werden Hobby und Beruf miteinander verbunden. Schnell lassen sich Nischen finden, die jedoch als erstes einer kritischen Prüfung unterzogen werden sollten. Ob Internet, Markt- oder Verbraucherinteressen, alle Möglichkeiten sollten genutzt werden. Es ist auch wichtig zu wissen, ob es schon viel Konkurrenz in einer Nische gibt. Gibt es keine Konkurrenz und der Geschäftsbereich taucht im Internet nicht auf, schließt das darauf, dass es vielleicht nicht genügend Kaufinteressenten gibt. Auch das sollte kritisch geprüft werden.

  • 4.1 Nebenberuf oder Vollerwerbsgründung
  • Glaubt man den Statistiken aus 2010 gründen ca. 60% ein Unternehmen zunächst im Nebenberuf. Diese Statistik belegt, dass die Selbständigkeit nicht zwangsläufig auch aus finanzieller Sicht der Sprung ins kalte Wasser sein muss. Gerade bei Gründern, die sich unsicher sind, kann die Selbständigkeit als Nebenberuf ein guter Einstieg sein. Doppelbelastung kann aber auch sehr anstrengend sein. Das sollte man auch berücksichtigen.

  • 4.2 Konventioneller Handel oder DropShipping
  • Der Online-Handel mit Dropshipping ist für viele Gründer eine interesssante Alternative. Verhältnismäßig wenig Startkapital, kein eigenes Lager, Wegfall von Verpackung und Versand sind gute Gründe, sicher näher mit Dropshipping zu beschäftigen. Online-Händler haben weniger Risiko beim Ausprobieren, ob neue Waren gut gehen oder nicht. Mit Dropshipping bei eBay ist ein erster guter Vertriebskanal gefunden. Wer eine gute Nische verwischt, kann damit erfolgreich sein. Ehrlich gesagt mag ich an den Erfolg von Dropshipping in Verbindung mit eBay nicht so recht glauben. Meines Erachtens sind selbst Nischen in eBay schon ganz gut abgedeckt und vor allem wird es schwer werden, Dropshipping Partner zu finden, die Produkte im Sortiment haben, die sich über eBay mit Gewinn verkaufen lassen. Aber grundsätzlich finde ich, dass Dropshipping eine lohnende Alternative sein kann.

  • 4.3 Selbst programmierter Webshop oder schlüsselfertiger Mietshop
  • Es ist nicht gerade einfach, einen Webshop selbst zu erstellen. Da ist viel Geduld und vor allem aber auch technisches Knowhow notwendig. Themen wie Usability, Performance und eine herausragende Navigation einschließlich einer tollen Suchfunktion sind weitere wirklich sehr schwere Themen, an die sich ein angehender Unternehmen kaum ohne professionelle Hilfe wagen wird. Jeder, der sich auch nur halbwegs mit dieser Thematik auskennt, weiß, wovon ich rede. Da sind schlüsselfertige Online-Shops eine sehr gute Alternative.

  • 4.4 Verkauf nur über eigenen Online-Shop oder ergänzend auch über eBay, Amazon oder Facebook
  • Wo sollen die Kunden in Zukunft ihre Produkte kaufen? Ein eigener Online-Shop bietet sicher die besten Möglichkeiten, die Produkte zum Kauf anzubieten. Es nimmt jedoch viel Zeit und Arbeit in Anspruch, bis Marketing, Suchmaschinenoptimierung und Werbeaktionen greifen und der Webshop bekannt genug ist, um damit nennenswert viele Verkaufsabschlüsse zu erzielen. Es kann sich daher lohnen, auch über andere Verkaufskanäle nachzudenken. Neben eBay kann auch Facebook ein guter Vertriebspartner sein. Google AdSense sollte auch mit in die Überlegungen einbezogen werden. Für viele angehende Unternehmer ist sicher Affiliate Marketing ein interessantes Modell, um auf die eigenen Produkte aufmerksam zu machen.

5 Steuern, Recht und Versicherungen

Welche Unternehmer kennen sich am Anfang ihrer Selbständigkeit schon mit Steuern, Recht und Versicherungen aus? Sicher nur wenige. Gerade mit diesen Themen sollte man sich auch beschäftigen und gerade am Anfang auf Expertenwissen zurückgreifen.

6. Erstellung eines Businessplans

Wer sich mit den oben genannten Themen schon mehr oder weniger intensiv beschäftigt hat, kann sich jetzt Gedanken zum Businessplan machen. Die Ideen, Pläne und Entscheidungen müssen nun in einen Businessplan überführt werden, der auch einer externen Prüfung stand halten sollte. Ein Businessplan hat im wesentlichen zwei Funktionen. Zum einen hilft er dabei, das Geschäftsmodell kritisch zu hinterfragen und mögliche Schwachpunkte zu erkennen. Zum anderen beschreibt der Businessplan aber auch ihre Pläne gegenüber Dritten. Wird ein Kredit von einer Bank notwendig, schaut sich das Kreditinstitut als erstes den Businessplan an. Geht aus diesem hervor, dass das Geschäftsmodell tragfähig ist, steht z.B. einem Kredit nichts mehr im Wege. Wichtig ist bei einem Businessplan, dass immer mit Fakten gearbeitet wird. Es macht keinen Sinn, die eigene Idee übertrieben positiv zu schildern und im Umkehrschluss ist es auch nicht gut, zu pessimistisch zu sein.

6. Die eigentliche Gründung

Wenn alle Hürden der Vorbereitung aus dem Weg geräumt sind und ein tragfähiger Businessplan vorliegt, kann es losgehen mit der eigentlichen Gründung. Das Unternehmen muss bei der Behörde angemeldet werden, was in der Regel 20 – 60 Euro kostet. Anschließend müssen dem Finanzamt noch einige Angaben gemacht werden, um nur einige wichtig Tätigkeiten zu nennen. Sind diese Hürden aus dem Weg geräumt, fällt schnell die größte Herausforderung an: Als eigenverantworlicher Unternehmer handeln und erfolgreich eine selbständige Existenz aufzubauen!

Tipp: Das Online-Magazin INTERNETHANDEL erklärt in der Titelstory der aktuellen Oktober Ausgabe in verständlicher Form, welche Schritte vor einer erfolgreichen Unternehmensgründung absolviert werden müssen.

Mehr über den Autor

Andreas ist Senior Projektmanager in einem der weltweit größten Softwareunternehmen. Nebenbei ist er freier Dozent und lehrt an Fachhochschulen die Themen "Internationales Projektmanagement" und "Softwarearchitektur". Hier im Weblog-ABC gibt Andreas regelmäßig Webmaster, Affiliate und SEO Tipps. Mehr über Andreas und Weblog-ABC.

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Kommentare und Trackbacks (4)

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  1. Heiko sagt:

    Bis zu 60 EUR für eine Gewerbeanmeldung? Welche Gemeinde oder Stadt kassiert denn so kräftig ab? ;)
    Ansonsten aber sehr guter Artikel für Einsteiger.

    • Andreas sagt:

      Hallo Heiko,
      ja, das habe ich mich auch gefragt. Die meisten kassieren 20€. In Göttingen wird’s mit 40€ schon etwas teurer!
      Gruß Andreas

  2. Hallo!

    Eines der Probleme bei einer Idee die in eine Selbständigkeit mündet ist, dass es oftmals an einem Austausch mit anderen fehlt. Natürlich redet man mit Freunden, Bekannten… geht vielleicht zur kostenlosen Gründerberatung.

    Aber sind die Bekannten, Freunde die richtigen Ansprechpartner? Ich denke nicht zwangsläufig. Deswegen versuchen drei Studenten der FH Ludwigshafen den Ansatz des Open Entrepreneurship zu verbreiten und voranzubringen.
    Open Entrepreneurship bedeutet Ideen nicht in den eigenen vier Wänden zur Marktreife zu bringen, sondern im offenen Austausch mit möglichen Kunden, Investoren, Experten und Interessierten – und zwar über das persönliche Umfeld hinaus.

    Auf solch einer offenen Plattform könnte die Geschäftsidee online gestellt werden. Dort bekommt man Feedback zur Idee, zum Geschäftsmodell, zum Marketing und vieles mehr… je nachdem wie weit man es aufgliedert.

    Mit dem Projekt http://www.100Tage100Ideen.de wollen wir diese Idee verbreiten. Ich lade sie dazu ein mitzudiskutieren. Denn wenn man ein Geschäft startet, oftmals mit wenigen Ressourcen, dann wird jeder kleine Fehler bestraft…den ein oder anderen Fehler könnten wir aber im offenen Austausch verhindern. Dies war einer der Gründe für die Idee des Open Entrepreneurship.

    Beste Grüße!

    • Andreas sagt:

      Hallo!

      Interessante und gute Idee. Das ganze steht und fällt sicherlich mit aktiven Usern, die auch sinnvolle Kommentare zu den Ideen abzugeben haben. Aber sicher eine gute Plattform, ehrliches Feedback zu einer Geschäftsidee zu gekommen. Der Bekanntenkreis wird vermutlich in den meisten Fällen fast jeder Idee zustimmen, weil man schließlich keinem vor den Kopf stoßen will, dass eine Idee nicht gut ist.

      Eine wirklich gute Idee zur Diskussion freizugeben, hat aber für potentielle Gründe den Nachteil, dass die Idee „geklaut“ werden könnte. Das ist ein Nachteil der Seite. Wie auch immer, ich bin gespannt und werde euer Projekt verfolgen!

      Viele Grüße,
      Andreas